Als Joseph fast kein Zuhause hatte

Als Joseph fast kein Zuhause hatte

CAGs zweites Musical und ein echtes Wunder aus Leidenschaft

Eigentlich hätte es nie stattfinden dürfen. Die Ankündigung von „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ am Ende unserer ersten Show „Greater Than Gold“ war – sagen wir mal – etwas voreilig. Timo, unser Gründer und kreativer Kopf, war so voller Begeisterung, dass er kurzerhand auf der Bühne verkündete: „Unser nächstes Musical wird Joseph!“ – ganz ohne Absprache mit dem Kirchenvorstand. Was folgte? Ein klärendes Gespräch … und ein kleiner, aber verdienter Rüffel für Timo.

Doch schnell wurde klar: Dieses Projekt tat der Gemeinde gut. Es bewegte Menschen, brachte sie zusammen – und so kam das grüne Licht für unser zweites Musical. Mit neuer Energie und wachsender Leidenschaft machte sich die nun erstmals als „CAG“ auftretende Gruppe an die Arbeit. Das Ensemble wuchs, das erste eigene Orchester wurde aufgebaut – zwei der Musiker sind bis heute dabei. Auch wenn niemand vom damaligen Ensemble heute noch aktiv mitspielt, unterstützen viele uns bis heute als Fördermitglieder. Das spricht für sich.

Geplant waren zwei Aufführungen – erneut in der International School Düsseldorf. Die Tickets waren innerhalb einer Woche ausverkauft. Alles lief nach Plan. Und dann: der Schock.

Zwei Wochen vor der Premiere wurde uns die Nutzung der Location storniert. Plötzlich standen wir ohne Bühne da. Doch was dann geschah, zeigte, was CAG wirklich ausmacht: Zusammenhalt, Kreativität – und eine große Portion Improvisationstalent.

Die Christ Church sprang kurzerhand ein, und die Kirche verwandelte sich innerhalb kürzester Zeit in ein richtiges Theater. Fenster wurden mit Teichfolie verdunkelt, hunderte Meter Kabel verlegt. Wo sonst der Altar steht, saß der Schlagzeuger. Davor: die Band – samt Geigen, Flöten, Trompeten, Posaunen und Klarinetten. Der Altarbereich wurde mit Bühnenelementen verlängert, Scheinwerfer tauchten die Kirche in eine völlig neue Atmosphäre.

Doch das Chaos nahm kein Ende: Unser Hauptdarsteller erlitt am Tag der Generalprobe eine Blutvergiftung und kam ins Krankenhaus, der angemietete Klowagen war verstopft, die Parkplatzsituation eine Katastrophe – und zehn Minuten vor Einlass versagte auch noch das Hauptkabel für den Ton.

Und trotzdem: Die Show ging weiter. Irgendwie. Und mit ganz viel Herzblut.

Rückblickend war es wahrscheinlich eine der chaotischsten Produktionen, die wir je erlebt haben – aber auch eine der schönsten. Denn sie hat uns gezeigt, worauf es ankommt: Menschen, die füreinander da sind. Die anpacken, wenn es brennt. Die sich nicht unterkriegen lassen.

Aus diesem musikalischen Ausnahmezustand entstanden Freundschaften, die bis heute halten. Und eine Gewissheit: Bei CAG ist nichts unmöglich – solange wir es gemeinsam anpacken.

Beitragsinfos

Veröffentlicht am 13. Juli 2025 von Timo White

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